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Es lebe das Klischee!

Wir können uns noch so sehr dagegen wehren, irgendwas ist dran an den ganzen Lesben-Klischees. Aber ist deshalb gleich jede von uns eine Klischee-Lesbe? Ein (nicht ganz ernst gemeinter) Selbsttest.

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Melissa und Ellen – dieses Bild lässt das Herz jeder Lesbe höher schlagen. Oder vielleicht auch nicht?

Lesben haben kurze Haare, benehmen sich wie Kerle (weil sie eigentlich gern welche wären) und hören den ganzen Tag Melissa Etheridge, wenn sie nicht gerade auf dem Fußballplatz stehen. Habe ich etwas vergessen? Ach ja, sie hassen Männer im Allgemeinen und Schwule im Besonderen, weil die nämlich immer nur „Party machen“ wollen.

So oder so ähnlich haben wir sie doch alle schon einmal gehört, die Lesben-Klischees, und inzwischen ist es mir zur Gewohnheit geworden, solcherlei Aussagen reflexartig ganz, ganz, ganz weit und dann noch weiter von mir zu weisen. Aber wie heißt es so schön: Wo Rauch ist, ist meistens auch Feuer, und wenn ich mal ganz ehrlich bin – so daneben liegen diese Klischees doch (in einigen Fällen: leider!) nicht.

Diese Erkenntnis traf mich bei der Lektüre des diesjährigen Hamburg Pride Magazins. In der Kolumne „Typisch schwul! Typisch lesbisch!“ haben die Macher des Magazins die fünf gängigsten Aussagen zusammengetragen, die Lesben über Schwule und Schwule über Lesben treffen. Und obwohl die natürlich (hoffentlich?!) nicht ganz ernst gemeint sind, fühlte ich mich doch bei der ein oder anderen ein bißchen ertappt.

Also, bin ich etwa doch eine Klischee-Lesbe? Mal schauen:

„Ellen DeGeneres auf Dauerschleife vom Festplattenrekorder. […]“

Nicht gerade auf Dauerschleife, denn dazwischen muss ich ja auch noch „Starla“, „Keriette“ und „Calzona“ unterbringen, aber das macht es wohl eher nicht besser. Und angesichts der Tatsache, dass ich mehrere tausend Kilometer weit geflogen bin, nur um mir die Dame mal „live“ anzusehen, sowie dass ich jahrelang eine deutsche Ellen-Fan-Webseite betrieben habe, muss ich mir hier wohl sogar die doppelte Zahl an Klischee-Punkten anrechnen lassen.

„iPod-Bibliothek mit zwei Interpreten (Melissa Etheridge und Gossip). […]“

Ein paar mehr Interpreten sind es dann schon, und Gossip ist dabei tatsächlich noch etwas spärlich vertreten, was damit zu tun haben könnte, dass ich manchmal etwas langsam bin, was die neuesten Trends angeht. Aber Melissa stimmt, und zwar so was von! Nächste Woche ist sie endlich mal wieder zu einem Konzert in Deutschland, und einmal dürft ihr raten, wer in Berlin dabei sein wird.

„Nein, das ist nicht Afghanistan, hier ist Lesben-Disco! […]“

Puh, hier kann ich durchatmen, denn nach den mit dieser Aussage angesprochenen Armyhosen, Armyshirts, Armykappen und Feinripp-Unterhemden kann man in meinem Kleiderschrank lange suchen. Obwohl – die Hose, die ich gerade anhabe, ist außerordentlich bequem und praktisch, man könnte sie auch bei einem Outdoor-Einsatz ganz gut tragen, und außerdem hat sie 7 (!) Taschen. Auweia…

„Pöbeln, schubsen, Junge spielen […]“

… und dann trotzdem vehement die eigene Weiblichkeit verteidigen, wenn man mit einem verwechselt wird. Ist nicht mein Fall, war nie mein Fall, wird nie mein Fall sein. Ich habe zwar kurze Haare, aber südlich des Kinns bin ich so eindeutig weiblich, dass ich da unschwer als Junge durchgehen würde, selbst wenn ich es wollte. Trotzdem bin sogar ich schon einige Male mit „Herr“ angesprochen worden, was allerdings meinem Gegenüber letztlich immer deutlich unangenehmer war als mir.

„[…] Rasierer raus, Blondierung rein und fertig ist der Scooter-Haarschnitt. […]“

Vielleicht bin ich für Scooter und „Hyper, hyper“ einfach schon zu alt, aber auch das ist so gar nicht meins. Meine Haare sind zwar kurz, aber immerhin noch lang genug, dass ich Verwendung für eine Bürste habe, und blond bin ich von Natur aus.

Auch wenn es im Ergebnis also nicht zur Klischee-Lesbe reicht, so ganz weit kann ich einige der hier genannten Klischees wohl doch nicht von mir schieben. Aber was soll’s, ich nehm’s sportlich. (Auch wenn das ein weiteres Lesben-Klischee ist, das nicht auf mich zutrifft.)

Mehr Infos zu Hamburg Pride, den Herausgeber des Pride Magazins, findet ihr auf der offiziellen Webseite des Hamburger CSD.

Diskussionen

4 Gedanken zu “Es lebe das Klischee!

  1. Das einzige (von den genannten) Klischees, das auf mich zutrifft wäre wohl meine Vorliebe für Melissa seit vielen, vielen Jahren!

    Ellen mag ich, aber ihre Talkshow habe ich, um ehrlich zu sein, ein einziges Mal bislang gesehen und ich befürchte es wird auch in den kommenden Jahren nicht wesentlich mehr werden (Bitte nicht hauen, MeL), sie hätte halt nicht Alex für Portia verlassen dürfen! ;o)

    Meine Haare sind von Natur aus dunkelblond, bekommen höchstens ab und an mal hellere Strähnchen beim Friseur verpasst und gehen mir längenmäßig derzeit bis zum Brustansatz!

    Mit einem Jungen wurde ich das letzte Mal in meiner Kindheit verwechselt, als ich die Haare noch sehr kurz trug, von Brüsten noch nichts zu ahnen war und ich mit dem Nachbarsjungen um die Wette rannte, auf Bäume kletterte und als einziges Mädchen in der Klassenfussballmanschaft mitspielte. Gott, ist das lange her!

    Tja, ich werde wohl damit leben müssen, das ich eine „untypische“ Lesbe bin! ;o)

    Verfasst von Dylena | 30. Juni 2010, 13:33
  2. Ich glaube es gibt Schlimmeres, als eine untypische Lesbe zu sein. 🙂

    Und keine Sorge, ich neige nicht zur Gewalt und bin tolerant auch gegenüber Nicht-Ellen-Fans. 😉

    Verfasst von MeL | 30. Juni 2010, 17:34
  3. Uh oh. Mir schwant übles…
    Also..

    1) Melissa Etheridge-Fan (Ja, gibt es denn überhaupt noch eine Andere?)
    2) Und ja, auf meinem IPod ist was von Melissa. Aber nichts von Gossip. Kulturlücke. Aber diverser anderer Krams. Abba, Pet Shop Boys, Scissor Sisters, Elton John, George Michael, Pink, 4NonBlondes…
    Quatsch. Nö, ansonsten ist da Rock drauf und gut ist. Okay, ein bisschen Silbermond darf es auch sein.
    3) Ellen ist cool. Aber ich bin kein Fan. Aber von Lena Headey.
    4) Für einen Kerl hält man mich häufig. Macht mir gar nichts, ich lache mich dann vor allem scheckig. Wie spießig manche doch sein können.
    5) Bin Pazifist, also keine Armyklotten! Aber Cargo-Hosen liebe ich. Je mehr Taschen, desto besser.
    6) Iro in braun-schwarzer Färbung; blond geht gar nicht!

    Oh je…Meister Joda würde jetzt sagen „Ein wandelndes Klischee Du sein, mein Padawan!“
    Hm, aber…na und? Mir gefällts. 😉

    P.S. Gute Seite, MeL. Weiter so.

    Verfasst von Dusty | 27. August 2010, 15:48
  4. „Hm, aber…na und? Mir gefällts. ;)“

    Und das ist doch die Hauptsache! Danke für deinen Kommentar und deine netten Worte. 🙂

    Allerdings – noch ein Nicht-Ellen-Fan? Was habe ich bloß falsch gemacht? Ich muss wohl doch NOCH mehr über Frau DeGeneres schreiben. 😉

    Verfasst von MeL | 27. August 2010, 23:55

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