Film-Tipp Spezial: “Kommt Mausi raus?!” & “Alles wird gut”
Die beiden Fernsehfilme von Regisseurin Angelina Maccarone (”Fremde Haut”, Tatort) aus den 1990er Jahren sind jetzt auf DVD erhältlich. Ansehen lohnt sich!

In den letzten Jahren hat Angelina Maccarone vor allem mit anspruchsvollen und kontroversen Themen von sich reden gemacht: Eine junge Iranerin gibt sich als Mann aus, um nicht in ihre Heimat abgeschoben zu werden, wo ihr wegen ihrer Homosexualität die Todesstrafe droht (”Fremde Haut”); eine junge Deutschtürkin wird ermordet, um einen Fall von Inzest in ihrer Familie zu vertuschen (”Tatort: Wem Ehre gebührt”); eie Bewährungshelferin lässt sich auf eine sadomasochistische Affäre mit einem minderjährigen Mandanten ein (”Verfolgt”).
Dass die Filmemacherin auch ganz anders kann und zu ihrem Repertoire nicht nur Dramen, sondern auch Komödien gehören, könnte darüber leicht in Vergessenheit geraten, wenn nicht zum Glück jetzt zwei ihrer frühen Filme auf DVD erhältlich wären: die Coming Out-Komödie “Kommt Mausi raus?!” und die lesbische Liebeskömodie “Alles wird gut”.

Kommt Mausi raus?! (1995)
Gleich nach dem Abitur macht sich Kati (Julia Richter), genannt “Mausi”, aus ihrer westfälischen Heimat auf nach Hamburg. Was zuhause niemand weiß: Kati liebt Frauen, und in der Großstadt kann sie ihr Lesbischsein endlich leben. Alles scheint perfekt zu sein, als Kati sich in Yumiko (Alexandra Wilcke) verliebt. Die ist allerdings schon bald schwer genervt, weil ihre Freundin nicht öffentlich zu ihrer Liebe stehen will und sie regelmäßig “wegtarnt”.
Yumiko drängt Kati, sich endlich zu outen, und Kati lenkt schließlich ein. Schweren Herzens macht sie sich auf den Weg in ihre alte Heimat, um mit ihrer Mutter zu sprechen. Doch einmal angekommen läuft Katis Coming Out etwas anders als geplant…

Yumiko (links) wünscht sich, dass Kati endlich zu ihrer Liebe steht
Ein Coming-Out in der Provinz – in ihrem Debüt-Film, für den sie das Drehbuch schrieb und als Co-Regisseurin fungierte, erzählt Angelina Maccarone einfühlsam und dennoch witzig, wie schwer so etwas für alle Beteiligten sein kann.
Großstädtern mag das Bild, das sie von Katis westfälischer Heimat zeichnet, klischeehaft vorkommen, aber das Gegenteil ist der Fall. Die Charaktere sind lebensnah und glaubwürdig, und was auf den ersten Blick wie Engstirnigkeit oder Intoleranz erscheint, entpuppt sich teilweise bei näherem Hinsehen als Sorge um einen geliebten Menschen oder als Reaktion auf die eigene Situation.
Als Katis Mutter (Gisela Keiner) ihrer Tochter rät, niemandem sonst von ihrer Homosexualität zu erzählen, tut sie dies weniger aus Sorge um ihren eigenen Ruf, sondern vor allem, um ihre Tochter zu schützen. Und Katis beste Freundin Sonja (Nina Weniger), die von ihrem Freund unter Druck gesetzt wird, sich nicht mehr mit Kati sehen zu lassen, ist hin- und hergerissen zwischen der Loyalität zu ihrer besten Freundin und den gesellschaftlichen Zwängen der Kleinstadt, von denen sie sich – anders als Katis Mutter – noch nicht freimachen kann.

Kati und ihre beste Freundin Sonja
Ein witziger, charmanter, wunderbarer Film, dessen Themen auch nach 15 Jahren immer noch aktuell sind und der nicht nur deshalb unbedingt sehenswert ist. Oder, wie es der Verleih ausdrückt: “Einer der großen Klassiker des lesbischen Films steht wieder zur Verfügung!”
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Tags: Alles wird gut, Angelina Maccarone, Kommt Mausi raus?!
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