Deutsche Fußballfrauen: EM-Auftakt nach Maß
Seit Sonntag läuft in Finnland die Frauenfußball-Europameisterschaft. Die Titelverteidigerinnen aus Deutschland bestritten am Montag ihr erstes Gruppenspiel und besiegten die als Mitfavoritinnen gehandelten Norwegerinnen deutlich mit 4:0.

Birgit Prinz und Anja Mittag bejubeln mit Fatmire Bajramaj deren Treffer zum 2:0
Dabei ließen sich die deutschen Damen jedoch reichlich Zeit mit dem Toreschießen und strapazierten stattdessen die Nerven von Bundestrainerin Silvia Neid, indem sie bereits in der ersten Phase des Spiels riesige Torchancen vergaben. So ließ sich Bundesliga-Torjägerin Inka Grings von der norwegischen Torfrau Ingrid Hjelmseth den Ball quasi von den Füßen angeln, und auch Garefrekes, Prinz und Behringer schafften es nicht, das Runde im Eckigen zu platzieren. Erst in der 33. Minute erlöste Linda Bresonik die deutsche Bank mit einem Elfmeter-Treffer, und selbst an dem hatte die norwegische Keeperin noch die Fingerspitzen dran.

Grings scheitert an Hjelmseth
Überhaupt konnten sich die Norwegerinnen bei Ingrid Hjelmseth dafür bedanken, dass die Deutschen das Spiel nicht schon früher für sich entschieden, denn auch in der zweiten Halbzeit vereitelte die überragende Schlussfrau Chance um Chance der stark aufspielenden deutschen Mannschaft. Und so wurde es kurz vor Schluss sogar noch einmal spannend, als die Norwegerin Cecilie Pedersen frei vor dem deutschen Tor auftauchte. Mit einer Glanzparade rettete jedoch die ansonsten wenig geprüfte deutsche Torfrau Nadine Angerer die Führung, der unmittelbar im Anschluss eingeleitete Konter brachte dann das erlösende 2:0 durch die eingewechselte Fatmire Bajramaj.
Danach schien der Knoten geplatzt, denn in der Nachspielzeit fielen zwei weitere Treffer durch die ebenfalls eingewechselte Anja Mittag – mit freundlicher Unterstützung einer norwegischen Abwehrspielerin – sowie noch einmal durch Bajramaj.

Anja Mittag bejubelt ihr Tor gemeinsam mit Kim Kulig
Die deutschen Damen unterstrichen mit diesem Auftaktsieg ihre Anwartschaft auf den EM-Titel, der der fünfte in Folge und der siebte insgesamt wäre, während die norwegische Mannschaft, immerhin Endspielgegner der Deutschen bei der EM 2005, enttäuschte. Wie so häufig in den letzten Spielen haperte es jedoch erneut insbesondere an der Chancenauswertung, so dass das Spiel trotz der deutschen Überlegenheit auch ganz anders hätte ausgehen können.
Das Toreschießen können die deutschen Frauen am morgigen Donnerstag wieder üben, dann geht es im zweiten Spiel der Gruppe B gegen Frankreich. Die Französinnen schlugen in ihrem Auftaktspiel Island mit 3:1 und werden ebenfalls als Anwärterinnen auf den Titel gehandelt.
In den weiteren Gruppenspielen besiegte in der Gruppe A Gastgeber Finnland am Sonntag etwas überraschend die Däninnen mit 1:0 und schlug heute im zweiten Gruppenspiel auch die Niederländerinnen mit 2:1. Dänemark wiederum erhielt sich die Titelchancen mit einem 2:1-Sieg gegen die Ukrainerinnen, die sich am Sonntag auch schon den Niederländerinnen mit 0:2 geschlagen geben mussten.
In der Gruppe C unterlagen die Engländerinnen ebenfalls überraschend den Italienerinnen mit 1:2, wohingegen die Schwedinnen erwartungsgemäß über Russland siegten (3:0). Mit von der Partie bei Schweden war unter anderem Victoria Svensson, die erst vor kurzem in Schweden durch ihre Teilnahme am Stockholm Pride für Schlagzeilen gesorgt hat. Neben Mannschaftskollegin Jessica Landström ist sie damit eine der wenigen offen lesbischen Spitzenspielerinnen im Frauenfußball.
Wer sich bis zum nächsten Spiel der deutschen Frauen die Zeit mit etwas Lektüre vertreiben möchte, dem sei das aktuelle Interview Nadine Angerers mit der FAZ empfohlen (”Ich will raus aus den ganzen Zwängen”, 26. August 2009).





Schöner Spielbericht. Du hast Recht, das mit der Chancenauswertung muss allerdings noch besser werden. Wobei ich zugeben muss dass mir die Torhüterin der Norwegerinnen schon ein wenig leid getaen hat, dass sie, nachdem sie sich fast 90 Minuten recht wacker geschlagen hatte (mal abgesehen vom Elfmeter, aber die gehen ja meistens rein), noch 3 Tore reinbekommen hat.
Bin mal gespannt wie die deutschen Frauen heute so spielen und ob das mit der Chancennutzung besser wird. Und wenn Sivlia Neid diesmal aufstellt.